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Catinka Schäfer Ecuador 2013/14

18 Tage, das ist eine so kurze Zeit, dass ich es kaum fassen kann. Aber obwohl es unglaublich scheint ist, sind diese Tage tatsächlich die letzten, die mir hier in Ecuador noch bleiben.

Als ich letztes Jahr in Guayaquil, mein Auslandsjahr begonnen habe, kamen mir die 305 Tage unendlich lang vor und oft unschaffbar. Vor meinem Abflug damals wusste ich zwar, dass es auch schwere Zeiten geben würde, doch ich hatte es mir niemals so hart und mit so einem Gefühlschaos vorgestellt.

Vor allem in den ersten vier Monaten ging es mir dank vieler Gastfamilienwechsel oft nicht so gut und ich habe mein Zuhause und meine Familie in Deutschland so sehr vermisst, dass ich manchmal darüber nachgedacht habe, abzubrechen und mich geschlagen zu geben. Zum Glück  habe ich das nicht getan, sondern immer weiter gemacht und schlussendlich ist das das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin viel selbstständiger, positiver und durchsetzungsfähriger geworden und auch wenn der Weg nicht leicht war, habe ich, denke ich, das beste aus meiner Zeit hier gemacht und bin überglücklich darüber.

Ecuador war früher im ein großer Traum, ich habe mich so lange darauf gefreut und mich darauf vorbereit, dass es ganz unwirklich war, als es wirklich losging. Ich hatte mir alles ganz anders vorgestellt, aber es ist jetzt besser so wie es ist, denn ich habe unzählige Orte, Dinge und vor allem Menschen kennengelernt. Das alles werde ich wirklich vermissen und ich bin mir noch nicht so sicher, wie es sein wird wieder normale Kleidung zur Schule anziehen zu können, jeden Tag Reis zu essen, meine Neffen nicht mehr herumtoben zu sehen, eine Heizung zu benötigen und wieder den ganzen Tag deutsch zu sprechen. Vermutlich wird es seltsam und ich werde das alles nach ein paar Tagen mehr vermissen, als ich jemals dachte ? und mich zurück wünschen.

Ecuador hat mich vieles schätzen gelehrt, was ich in Deutschland nicht geschätzt habe und mir gleichzeitig so vieles neues gezeigt, was ich zu Hause missen werde.  Die großen Dinge, wie meine Gastfamilie, die Vielfältigkeit des Landes, meine Freunde aus der Schule und natürlich die anderen Austauschschüler, aber auch Kleinigkeiten wie die Kochbananen, die hier auf jede nur mögliche Art zubereitet werden, oder die Tatsache, dass ich hier bestimmt 100 Cousins und Cousinen habe und immer noch nicht jeden Teil meiner Gastfamilie kenne. Außerdem das Tanzen und die Musik, die hier viel lebendiger ist, als in Deutschland.

Ich war damals davon überzeigt, dass ich wenig mit den anderen AFSern zu tun haben würde sondern nur mit den Ecuadorianern umd die Kultur kennen zulernen, doch es ist ganz anders gekommen. Die anderen Austauschschüler gehören für mich gerade zu den wichtigsten Pesonen in meinem Leben, denn sie verstehen mich momentan am Besten. Wir sind für uns alle wie eine zweite Familie geworden, die wir uns selber aussuchen konnten. Tatsächlich habe ich Erfahrungen hier gemacht, die nur andere Austauschschüler nachvollziehen können und es gibt so viele Probleme, die sie auch hatten und mit denen wir uns gegenseitg am Besten geholfen haben. Ich glaube und hoffe, dass ich diese Freundschaften lange bewahren kann, denn sie sind etwas ganz besonderes.

Ich bin mir sicher, dass ich in zehn Monaten noch nie so viel gereist wie hier und habe noch nie so viele außergewöhnliche Dinge gesehen. Ich war in Esmerladas, Manta, Portoviejo, Guayaquil, Santa Elena, Salinas und Machala und habe so die ganze Küste gesehen. Am Strand haben wir bis in die Nacht getanzt, waren in riesigen Wellen schwimmen und konnten beim Schnorcheln Fische in allen Farben, Schildkröten und Seerobben sehen. Eine Woche habe ich in Cuenca, in der Sierra, verbracht, und dort Meerschweinchen gegessen, war in Cajas, dem dortigen Nationalspark umringt von Alpacas und in warmen Vulkanthermen baden.

Quito, die schöne Hauptstadt habe ich auch kennengelernt und bin auf dem Äquator herumgewandert, war ein Stückchen auf dem Cotopaxi  und bin dort rasendschnell mit einem Mountainbike wieder runtergefahren um unten Wildpferde zu bewundern. Habe Ambato, Riobama und Machachi ebenfalls in den Anden gesehen und war in Baños, wo wir den Vulkan Tunguahura ausbrechen sahen und wir mit quitschenden Seilbahnen über atemberaubende Schluchten gefahren sind. In Salcedo waren wir auf einer großen Dorffeier mit riesigen Feuerwerken und alles war so unglaublich ecuadorianisch und so überwältigend.

Ich habe die Schönheit der Galápágos Inseln sehen dürfen und bin dort Stunden auf einem Vulkan herumgeklettert um danach mit Seerobben schwimmen zugehen. Die Besuche im Regenwald in Puyo und Cuyabeno werde ich auch nie vergessen, wo wir, wie schon berichtet, Kaimane, Affen, rosa Delfine und vieles mehr gesehen haben, unter Wasserfällen und in Lagunen schwimmen waren und einem richtigen Schamanen bei seinen Ritualen zugucken und sogar mitmachen durften. Ich habe jede Menge Leute kennegelenrt, die mir geholfen haben, wann immer ich Hilfe brauchte, egal ob ich sie kannte oder nicht.

Ich denke ich kann sagen, dass ich Ecuador kennengelenrt habe und weiß, dass ich die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe niemals vergessen werde und sie mir bestimmt bei vielem helfen werden. Die Tatsache, dass mir nur noch so wenig Zeit bleibt, macht mir irgendwie Angst und gleichzeitig glücklich, denn ich freue mich schon auf meine Heimkehr. Manchmal denke ich, dass ich noch nicht dafür bereit bin all das hier hinter mir zulassen und in einem anderen Moment kann ich es kaum erwarten endlich wieder nach Hause zu kommen. Obwohl auch das ?Nach-Hause-Kkommen? seltsam ausgedrückt ist, denn irgendwie habe ich ja auch hier ein Zuhause gefunden, das ich lieben gelernt habe.

Nunja ich vermute ich bin gerade in der Phase des Realisierens, das alles bald vorbei sein wird und ich die Welt, die ich doch gerade erst zum Teil verstanden, die Sprache relativ gut beherrsche und wo ich die Spiele der Leute, die ich anfangs schwer gelernt habe, inzwischen schon mitspielen kann, verlassen muss. Eigentlich wusste ich von Anfang an, das dieser Moment irgendwann kommt und es überrascht mich ein bisschen, dass es trotzdem so seltsam ist. Aber ich denke es liegt daran, dass es einfach unmöglich ist die Länge von 305 Tagen vorher überblicken zu können. Es war einfach immer für mich ?lang? und jetzt plötzlich ist es das nicht mehr und das ist komisch zu begreifen.

So langsam fangen die Abschiede an, aber ich bin schlecht darin mich zu verabschieden, da ich immer erst danach wirklich merke, das ich die Person lange nicht mehr wiedersehen werde und dann überumpelt mich die angemessene Traurigkeit erst spät.
Noch denke ich nicht daran, dass die letzten zwei Wochen in Machla kurz bevor stehen und rede mir ein, dass ich noch mehr Zeit habe, aber so langsam kommt das Gefühl, dass ich auch kurz vor meinem Abflug aus Deutschland hatte, nur das ich jetzt weiß, dass ich nie wieder in dieses Leben hier in Ecuador zurückkehren kann, denn wenn ich irgendwann mal zurückkomme bin ich nur Besucherin und keine Austauschschülerin.

Wenn ich Austauschschülern, die ihr Jahr noch vor sich haben, einen Tipp geben müsste, dann wäre es, sich vorher nicht so viele Gedanken zumachen, denn es kommt sowieso alles ganz anders. Und am Besten man macht es einfach mit und guckt was daraus wird ? mit dem einzig wichtigen Vorsatz, sich nicht selbst zu verlieren, sondern Veränderungen aufzunehmen und das was man daraus lernt und die Erfahrungen, die man sammelt, zu einem Teil von sich selbst machen.